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20. März 2026
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«Ich habe mich für die Wirtschaftsmittelschule entschieden, weil die Kombination aus Schule und Sport sehr gut möglich ist.»

Joana Dias de Sousa ist Fussballerin beim FC Basel und absolviert zurzeit ein Sportpraktikum bei der AK71. Wie sie zum Fussball gekommen ist, was ihr an der Arbeit bei der AK71 besonders gut gefällt und welches ihre Pläne für die Zukunft sind, erzählt die 19-Jährige im Interview.

Joana Dias de Sousa, Sie sind Fussballerin beim FC Basel und spielen zurzeit in der U20 als Verteidigerin. Erzählen Sie uns doch mehr davon.
Ich spiele seit sieben Jahren beim FCB. Davor habe ich beim AC Rossoneri Lausen mit den Jungs gespielt, wo mein Vater auch Trainer war. Für mich war es gut, zusammen mit Jungs zu trainieren, da ich dort aktiv gefördert wurde. So bin ich in die Auswahl gekommen und durfte einmal pro Woche im sogenannten Stützpunkttraining des Nordwestschweizer Fussballverbands abwechselnd mit den Jungs und den Mädchen trainieren. Wir waren nur zwei Mädchen, die mit den Jungs trainieren durften. Dadurch erhielten wir auch die Chance, als 13-Jährige an den Probetrainings beim FCB teilzunehmen. So kam ich als 14-Jährige zum FCB und startete in der U15. Momentan spiele ich in der U20 in der Verteidigung und manchmal auch auf dem Flügel.

Sie haben erzählt, dass Ihr Vater beim AC Rossoneri Lausen Trainer war. Sind Sie durch ihn zum Fussball gekommen?
Ja genau, denn davor habe ich Tennis gespielt. Gemeinsam mit meinem Vater besuchte ich viele Fussballmatches. Zudem haben viele Jungs aus meiner Schule beim AC Rossoneri gespielt. Ich wollte es dann einfach auch mal ausprobieren. Es hat mir so gut gefallen, dass ich ins Training eingestiegen bin. Nach einer gewissen Zeit musste ich dann Tennis aufgeben, weil spätestens mit dem Start im Stützpunkttraining alles zu viel wurde und die Tage doppelt besetzt waren.

Wie oft trainieren Sie pro Woche?
Aktuell sechs Mal. Zwei Mal am Morgen und vier Mal am Abend.

Sie waren auch bereits Teil der Schweizer Frauenfussballnationalmannschaft. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Ich war von der U17 bis zur U19 Teil der Nationalmannschaft und wurde auch regelmässig aufgeboten. Im Jahr 2023 durfte ich sogar mit an die U17-EM in Estland. Jetzt ist es so, dass ich zu alt bin für die U19 und es bei den Frauen keine U20- und U21-Mannschaften gibt, wie das bei den Männern der Fall ist. Das ist sehr schade, denn der Schritt von der U19 in die A-Nati ist fast für alle zu gross. Da es nichts dazwischen gibt, ist man halt wie weg. In anderen Ländern gibt es U21 oder U23, aber in der Schweiz nicht. Viele Talente gehen in dieser Zeit verloren.

Was braucht es für den Sprung in die A-Nati?
Sicher muss man zuerst die Aufnahme in die A-Frauenmannschaft schaffen, was aber in meinem Alter sehr schwierig ist. Und dann muss man wirklich durchstarten, damit sie sehen, welches Potenzial man hat.

Sie absolvieren ein Sportpraktikum bei der AK71. Wie sind Sie dazu gekommen?
Ich habe mich für die Wirtschaftsmittelschule (WMS) entschieden, weil die Kombination aus Schule und Sport sehr gut möglich ist. Das Gymnasium schien mir ein wenig zu stressig zu sein. Bei der WMS hatte ich ein gutes Angebot. So war ich dreieinhalb Jahre in der Schule und musste dann einen Praktikumsplatz suchen. Basil Gygax vom Sportamt Baselland hat mir die AK71 empfohlen, weil sie den Leistungssport bereits seit Jahren unterstützt. So habe ich mich beworben und die Praktikumsstelle erhalten.

Wie lange dauert das Praktikum?
Da ich aufgrund meines Trainingsplans weniger Wochenstunden absolvieren kann (70 % Arbeitspensum), dauert das Praktikum eineinhalb Jahre, ein halbes Jahr länger als normal.

Gibt es viele Anbieter von Praktikumsstellen für Leistungssportler?
Auf der Website praktikumplus.ch werden alle Praktikumsplätze für Lernende der Wirtschaftsmittelschulen in der Region Basel publiziert. Wir mussten uns dann bei den entsprechenden Unternehmen vorher melden und fragen, ob sie auch ein Praktikum für Leistungssportler anbieten. Vielen lehnen das leider ab. Vor allem, weil man weniger Wochenstunden im Betrieb sein kann und das Praktikum länger dauert. Aus diesem Grund kam Basil Gygax vom Sportamt auf uns Sportlerinnen und Sportler zu und unterstützte uns aktiv bei der Suche nach einem Praktikumsplatz.

Diese Ausbildung wird von Swiss Olympic angeboten. Welche Kriterien müssen Sie als Sportlerin erfüllen, damit Sie diese Ausbildung absolvieren dürfen?
Man muss eine Swiss Olympic Talent Card besitzen. Ausserdem muss man vom Verein unterstützt werden. Vor der Ausbildung hatte ich ein Gespräch mit meinem Verein, also dem FCB. Sie haben gesagt, dass sie mich unterstützen und dass ich diese Ausbildung machen kann.

Welches sind Ihre Aufgabengebiete bei der AK71?
Ich arbeite in der Abteilung, die sich um Familienzulagen kümmert. Ich befasse mich aber auch mit Erwerbsersatz (EO) und Elternentschädigung. Ab und zu unterstütze ich zudem die Abteilung Dienste und erledige auch die Post. Ganz zu Beginn durfte ich alle Abteilungen kurz kennenlernen. Nun bleibe ich aber eineinhalb Jahre bei den Familienzulagen, weil es ein komplexes und vielfältiges Thema ist.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit bei der AK71 besonders?
Mir gefällt besonders die Flexibilität. Wenn ich ins Training gehen muss, darf ich ohne Probleme gehen. Ich finde es auch spannend, dass jeden Tag neue Herausforderungen auf mich zukommen. Zudem sind die Leute megacool. Alle haben Verständnis für den Sport. Die AK71 unterstützt mich sehr. Gleich nach meinem Start erhielt ich ein Aufgebot der Nati. Die einwöchige Abwesenheit wurde mir sogar als bezahlte Absenz geschenkt, damit ich auch noch genügend Ferien habe. Das finde ich meganett und entgegenkommend, was mir sehr gut gefällt.

Wie lange dauert Ihr Praktikum bei der AK71 und was passiert danach?
Ich habe im Februar 2025 gestartet und bleibe noch bis Ende Juni 2026. Danach möchte ich Pädagogik studieren und daneben noch ca. 60 % arbeiten. Also eher wieder ein wenig weg von der Wirtschaft.

Wie bringen Sie Ihre Trainingseinheiten und die Arbeit unter einen Hut?
Es ist sicher wichtig, dass man eine organisierte Person ist. Anfang Woche also prüfen, welche Termine anstehen und dann einen guten Plan machen, den man auch einhält. Wie gesagt ist die AK71 sehr flexibel und unterstützend, weshalb mir die Planung leichter fällt. Klar, man muss auf gewisse Dinge verzichten, aber das gehört dazu.

Welches sind Ihre Träume in sportlicher und auch in beruflicher Hinsicht für die Zukunft?
Bezüglich Fussball muss ich schauen, was noch möglich ist und welchen Aufwand ich noch betreiben soll. Sicher versuche ich, diesen Sommer den Schritt in die A-Mannschaft der FCB-Frauen zu schaffen. Wenn das nicht möglich ist, bleibe ich sicher beim Fussball und möchte weiterhin Spass daran haben. Ich könnte auch weg von Basel, was ich aber persönlich nicht möchte. Beruflich möchte ich wie gesagt studieren und wahrscheinlich danach als Primarlehrerin arbeiten.

Interview: Conny König

Persönliches über Joana Dias de Sousa

Joana Dias de Sousa ist seit Februar 2025 bei der AK71 und absolviert ein Sportpraktikum. Die 19-Jährige ist in Zunzgen aufgewachsen und wohnt heute in Münchenstein. Neben dem Fussball bleibt nicht viel Zeit für weitere Hobbies. In den Ferien entdeckt sie aber gerne neue Länder und verbringt in der Freizeit, wenn immer möglich, Zeit mit Freunden.

Anforderungen an einen leistungssportfreundlichen Lehrbetrieb:
(Quelle: Broschüre «Berufliche Grundbildung und Leistungssport» von Swiss Olympic)

Lehrbetriebe, die ihren Lernenden parallel zur Ausbildung eine Leistungssportkarriere ermöglichen, können sich von Swiss Olympic mit dem Label «Leistungssportfreundlicher Lehrbetrieb» auszeichnen lassen. Das Label gilt jeweils für ein Lehrjahr.

Flexibilität ist die Grundlage für eine leistungssportfreundliche Ausbildung. Das bedeutet konkret, dass der Arbeitgeber:

  • die Arbeitszeiten auf das Training abstimmt
  • sicherstellt, dass die wöchentliche Belastung von Training, Berufsschule und Arbeit für den Lernenden zu bewältigen ist
  • Rücksicht auf Wettkämpfe nimmt, sodass der/die Lernende an den entsprechenden Tagen fehlen kann
  • bei Bedarf die Lehrzeit verlängert