Antonella Stornaiuolo arbeitet seit 23 Jahren bei der AK71 in der Buchhaltung. Welches die grössten Herausforderungen der Stv. Leiterin Finanzen sind und wie die 59-Jährige die Digitalisierung miterlebt, erzählt sie im Interview.
Antonella Stornaiuolo, nach dem Interview mit der Leiterin Finanzen wollen wir von Ihnen mehr über die internen Prozesse erfahren. Welche Aufgaben übernehmen Sie für die Mitarbeitenden?
Wir unterstützen die Mitarbeitenden bei Fragen rund um spezielle Aus- und Einzahlungen. Wenn beispielsweise eine Zahlung ins Ausland an eine andere Familienausgleichkasse gehen soll. Dann müssen wir diese Überweisung tätigen, weil solche Spezialfälle im System nicht standardmässig hinterlegt werden können. Zudem leiten wir vorbereitete Zahlungen von Mitarbeitenden an unsere kontoführende Bank weiter und klären Unstimmigkeiten oder Rückfragen, die die Mitarbeitenden von Kundinnen und Kunden erhalten.
Und welche Aufgaben übernehmen Sie für die Abteilungen?
Zu meinen Aufgaben gehört die tägliche Überwachung der Liquidität. Dann verbuche ich sämtliche Ein- und Auszahlungen und bezahle Rechnungen von externen Dienstleistern. Und ich übernehme die Bearbeitung und Kontrolle der Beitragsabrechnungen. Zu guter Letzt ist die tägliche Geldmittelablieferung an die Zentrale Ausgleichskasse ZAS ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit.
Wie funktioniert das mit der Zentralen Ausgleichskasse ZAS genau?
Die ZAS verwaltet die Geldmittel aller Ausgleichskassen der Schweiz. Es handelt sich hierbei um alle Beiträge, die einbezahlt sowie alle Leistungen, die ausbezahlt werden. Wir als AK71 machen täglich eine Auswertung mit allen Beiträgen, die bei uns eingegangen sind und überweisen diesen Betrag an die ZAS. Einmal pro Monat überweist uns die ZAS Geld für die Rentenauszahlungen. Die AK71 verwaltet kein Geld aus Beiträgen und Leistungen, das darf ausschliesslich die ZAS.
Haben Sie noch andere interne Schnittstellen zu Gremien oder zu Handel Schweiz?
Nein, bei mir bestehen keine direkten Schnittstellen. Wenn, dann läuft der Kontakt über die Abteilungsleiterin oder über andere Abteilungen und nicht direkt über mich.
Mit welchen Fragen gelangen die Mitarbeitenden der AK71 an Ihre Abteilung?
Mitarbeitende kommen mit Fragen zu Auszahlungen, Rückerstattungen oder Einzahlungen zu uns. Häufig geht es dabei um klärende Fragen rund um Zahlungen, fehlenden Zahlungseingänge oder spezifischen Rückfragen zu internen Abläufen. Zudem erreichen uns viele Anfragen zu Verrechnungen, Umbuchungen und allgemeinen Unklarheiten rund um Zahlungsvorgänge. Dazu gehören etwa Rückfragen zu internen Verrechnungen, Korrekturen bei falsch zugeordneten Zahlungen oder die Klärung von Differenzen in unserem Zahlungssystem. Ich unterstütze die Mitarbeitenden auch bei Fragen zur Handhabung spezieller Zahlungssituationen und sorge dafür, dass alle Geldflüsse korrekt, nachvollziehbar und zeitgerecht verarbeitet werden.
Gibt es oft Unstimmigkeiten in der Buchhaltung?
Nein, das gibt es eher selten. Deshalb sind wir sehr froh, dass Mitarbeitende bei Unsicherheiten an uns gelangen. Sollte eine Unstimmigkeit auftreten, merken wir dies, nachdem alles verbucht wurde, da wir die Geldmittel täglich abgleichen. Das bedeutet, die Buchhaltung muss jeden Tag stimmen.
Mit welchen Herausforderungen werden Sie in der Abteilung Finanzen konfrontiert?
Wir müssen absolut korrekt und sauber arbeiten, da wir als Ausgleichskasse eine grosse finanzielle Verantwortung gegenüber der Bevölkerung haben. Man muss auch unter Zeitdruck korrekt arbeiten können, insbesondere bei den Monats- und Jahresabschlüssen. Ein weiterer Punkt ist die ständige Weiterentwicklung der Systeme. Man muss flexibel sein und Lernbereitschaft zeigen – seit der Digitalisierung viel intensiver als bei meinem Start bei der AK71 vor 23 Jahren.
Welche Kompetenzen muss man mitbringen, damit man in der Finanzabteilung einer Ausgleichskasse arbeiten kann?
Sicher eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung und ein Flair für Zahlen. Eine sorgfältige und genaue Arbeitsweise ist ebenfalls wichtig sowie die Freude an Zahlen und komplexen Abläufen. Zudem ist es bei einem Unternehmen wie einer Ausgleichskasse sicher wichtig, dass man ein hohes Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Geldmitteln mitbringt. Denn wir arbeiten mit sehr hohen Geldbeträgen, die dem Volk gehören und die für sie teilweise von existenzieller Bedeutung sind.
Wie wichtig ist das Verständnis für sozialversicherungsrechtliche Zusammenhänge?
Man muss sich einfach bewusst sein, dass man in der Finanzabteilung einer Ausgleichskasse für die Bevölkerung arbeitet. Das Geld gehört nicht uns. Das bedeutet schon eine grössere Verantwortung. Die sozialversicherungsrechtlichen Zusammenhänge helfen, das System und damit den Sinn der eigenen Arbeit noch besser zu verstehen. Denn irgendwann kommen wir alle mit einer Ausgleichskasse in Kontakt und sind froh, dass sie verantwortungsbewusst mit den Geldern umgehen.
Welches sind Ihre Lieblingsarbeiten?
Ich arbeite besonders gerne mit den Geldmittelkonten. Die tägliche Kontrolle sowie das Verbuchen der Zahlungseingänge liegen mir sehr. Es sind Aufgaben, die Präzision und Struktur verlangen. Denn es ist immer besonders schön, wenn man am Schluss sieht, dass alles stimmt und korrekt verbucht wurde.
Gibt es branchenspezifische Ausbildungen oder Weiterbildungen, damit Sie Ihre Aufgaben korrekt und sicher ausführen können?
Neben der kaufmännischen Ausbildung und finanzspezifischen Kursen kann man sich natürlich im Bereich Sozialversicherungen weiterbilden. Auch interne Schulungen zu Systemen und gesetzlichen Entwicklungen sind wichtig, damit man immer auf dem neusten Stand bleibt.
Wenn man wie Sie täglich Kontakt mit Geld hat: Wie ist Ihr persönliches Verhältnis dazu?
Wie bereits erwähnt, entwickelt man schon einen bewussten Umgang damit – beruflich und privat. Ich persönlich schätze auch sehr, dass es mir finanziell gut geht. Denn es ist Fakt, dass es für einige Menschen um die eigene Existenz geht. Das merkt man bei einer Ausgleichskasse besonders. Dadurch wird man noch sorgfältiger und verantwortungsbewusster.
Ihre Tochter Vanessa Stornaiuolo ist seit dem Wechsel der Abteilungsleitung im Mai 2023 gleichzeitig Ihre neue Vorgesetzte. Wie erlebten Sie den Generationenwechsel von Ihrem ehemaligen Vorgesetzten zur neuen Abteilungsleitung?
Für mich ist es in erster Linie sehr spannend, mit meiner Tochter zu arbeiten. Das ist eine ganz neue Konstellation. Ich empfand den Generationenwechsel als sehr gut und erfrischend. Mein ehemaliger Vorgesetzter, der in Pension ging, gab mir dank seiner langjährigen Erfahrung sehr viel Sicherheit, die ich in die neue Ausgangslage mitnehmen konnte. Die Mischung aus der frischen Energie meiner Tochter und meinem Know-how war ideal und hat mir sehr gefallen.
Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren verändert?
In den letzten Jahren hat sich meine Arbeit deutlich dynamisiert. Viele Prozesse sind komplexer geworden, weil immer mehr Mitarbeitende digital arbeiten und dadurch neue Schnittstellen entstehen, die kontrolliert und abgestimmt werden müssen. Auch gesetzliche Anpassungen sowie veränderte Rahmenbedingungen in der Sozialversicherung bringen fortlaufend neue Aufgaben und Abläufe mit sich. Insgesamt ist mein Arbeitsalltag vielfältiger und vernetzter geworden als früher.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem Arbeitsalltag?
Die Digitalisierung spielt heute eine zentrale Rolle in meinem Arbeitsalltag. Seit der neuen Abteilungsleitung wurde die gesamte Buchhaltung vollständig digitalisiert. Das ist ein grosser Unterschied zu früher, wo wir noch mit vielen physischen Ordnern, Papierablagen und manuellen Prozessen gearbeitet haben. Dank der Digitalisierung sind sämtliche Buchungen, Auswertungen und Kontrollen jetzt deutlich effizienter, transparenter und schneller zugänglich. Ich kann Dokumente elektronisch ablegen und Suchvorgänge innerhalb von Sekunden erledigen, statt Ordner durchzugehen. Auch Abstimmungen und Freigaben laufen heute digital, was die Zusammenarbeit im Team vereinfacht und beschleunigt. Natürlich bringt die Digitalisierung auch neue Anforderungen und Herausforderungen mit sich: Man muss technisch versiert sein, neue Funktionen im System kennen und Prozesse laufend anpassen. Insgesamt hat sich mein Arbeitsalltag dadurch aber stark modernisiert und professionalisiert. Der digitale Workflow ist aus der täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken.
Interview: Conny König
Persönliches über Antonella Stornaiuolo
Antonella Stornaiuolo arbeitet seit dem Jahr 2003 bei der AK71 in einem 50 %-Pensum. Die 59-Jährige ist in Basel aufgewachsen, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seit 38 Jahren lebt sie in Reinach. Zur Familie gehört auch ein Hund, mit dem sie täglich viel Zeit draussen verbringt. In ihrer Freizeit kocht Antonella Stornaiuolo sehr gerne und geniesst gutes Essen. Das Zusammensein mit ihrer Familie und die Bewegung an der frischen Luft sind ihr besonders wichtig.
